Sam Englebardt, Peter Grunwald, Ara Katz, Art Spigel
Drehbuch:
George A. Romero
Kamera:
Adam Swica
Musik:
Norman Orenstein
Genre:
Horror
Darsteller: Shawn Roberts, Joshua Close, Michelle Morgan, Joe Dinicol, Phillip Riccio, Scott Wentworth
Inhalt:
Jason bricht mit einer Gruppe von Filmstudenten und einem Wohnmobil auf, um in den dunklen Wäldern von Pennsylvania einen Horrorfilm für ein College-Projekt zu drehen. Alles scheint zunächst wie reine Fiktion, doch plötzlich hört die Filmcrew über das Radio Berichte vom Auftauchen echter Zombies und macht sich auf einen turbulenten Heimweg.
Jason und seine Freunde geraten unterwegs immer stärker in Bedrängnis, die Kommunikation zur Außenwelt wird unmöglich, die Unterstützung durch staatliche Ordnungskräfte misslingt. Im Strudel der Ereignisse bleibt das Grüppchen auf sich gestellt, und während zunehmend lebende Leichen ihren Weg pflastern, scheint bald klar, dass jedweder Ausweg verwehrt bleibt.
Doch obwohl die Situation immer hoffnungsloser erscheint, behält Jason die Kamera in der Hand: Er, der er den Schrecken im Dickicht inszenieren wollte, wird sich nämlich bewusst, dass der "reale" Kampf gegen die Zombies in Wahrheit das beste Material abwirft. Er nutzt diesen geistesgegenwärtig für seine Zwecke.
Sonntags um 1 Uhr früh bekommen mich normalerweise keine 10 Pferde aus dem Bett. Einem Mann ist es dennoch gelungen, George A. Romero. Denn am 28.10. feierte sein neuester Zombiefilm, "Diary of the Dead", seine weltweit erst 3. Aufführung im Wiener Gartenbaukino im Rahmen der `Viennale´. Trotz der Uhrzeit war der Andrang groß und jeder wartete gespannt wie wohl der Streifen sein wird. Vor allem die im Vorfeld angesprochenen Ähnlichkeiten zum "Blair Witch Project" schienen viele zu interessieren. Mit ca. 20 Minuten Verspätung ging es dann auch endlich los.
In der von Romero selbst zeitlich nicht definierten Timeline seiner Zombiefilme setzt "Diary of the Dead" zur selben Zeit ein wie sein Klassiker "Night of the Living Dead". Der Film startet ohne großen Vorspann und schickt den Zuseher direkt mitten ins Geschehen, einem Polizeivideo welches einen der ersten Fälle von Zombieattacken zeigt. Und etwas vollkommen Neues für Romeros Untotenfilme beginnt. Eine Erzählerin schildert die Vorkommnisse. Es handelt sich um Debra (Michelle Morgan) die uns erklärt dass der folgende Film (genannt "The Death of Death") aus verschiedenen Filmausschnitten zusammengestellt wurde um die wahre Geschichte zu erzählen. Sie ist die Freundin des eigentlichen Hauptprotagonisten Jason (Joshua Close), welcher gemeinsam mit anderen Studenten einen Horrorfilm in den Wäldern von Pennsylvania drehen will. Während dieser Dreharbeiten erfahren die Studenten von auferstehenden Toten welche Menschen attackieren. Ab diesem Zeitpunkt wird man hautnah Zeuge wie die Studenten versuchen ihr Leben zu retten und Zuflucht zu finden.
Vom Beginn an sieht man auch den gravierenden Unterschied zu "Blair Witch Project". Hier gibt es selten verwackelte Bilder, extreme Unschärfen oder unangebrachtes ruckeln. Bis auf das gezielte Stilmittel des Bildes aus der Sicht der Kamera haben die Filme nichts miteinander gemeinsam. Ganz im Gegenteil. Romero versteht es gezielt die Filmaufnahmen der Studenten mit Videos aus dem Internet, Aufnahmen von Videotauglichen Handys, Fernsehberichten und Überwachungskameras zu verbinden. Ein großes Lob hier gebührt natürlich dem Schnitt von Michael Doherty und der Leistung des Kameramannes Adam Swica, welcher schon bei "Bruiser" mit Romero zusammengearbeitet hat. Ihre Arbeit ist mit der Regie zusammen der Hauptgrund für die tolle Spannung die dieser Film bietet. Die Filmmusik von Norman Orenstein hilft zwar die Spannung zu untermauern, mehr aber leider auch nicht. Hier hätte ich mir mehr erwartet.
Die Darsteller machen ihre Sache recht gut. Am besten gefallen hat mir Michelle Morgan, welche die meiste Screentime hat und ihren Charakter sehr realistisch verkörpert. Sei es als Darstellerin oder als Erzählerin. Sie schafft es dem Zuschauer beides glaubhaft zu übermitteln. Zwar sieht man Joshua Close (Jason) nicht oft sondern hört nur seine Stimme im Off, aber er führt seine Figur gut durch die Handlung. Der Rest der Riege braucht sich auch nicht für die Leistung verstecken. Zwar sah man schon oft besseres, aber für einen Horrorfilm waren eigentlich alle Schauspieler/innen gut besetzt.
Für die Spezialeffekte und das Zombie-Make-Up waren wieder einmal die Jungs von `K.N.B.´ verantwortlich. Sie haben schon in "Land of the Dead" den Untoten Leben eingehaucht und ihnen mit spektakulären Sequenzen auch selbiges wieder genommen. Auch in "Diary of the Dead" sieht das Make-Up wieder sehr gut aus und der Film geizt nicht mit Blut. Es gibt wieder tolle und auch innovative Szenen die man so in einem Zombiefilm noch nicht gesehen hat. Wenn man glaubt man hat schon alle Möglichkeiten gesehen wie man einen Untoten stoppt unterliegt man einem Irrglauben. Man wird hier eines besseren belehrt. Gemeinsam mit `K.N.B.´ und den visuellen Effekten von `Spin´ werden hier wieder jede Mengen Blut vergossen und die lebenden Toten zum zweiten Mal ins Jenseits befördert. Eines sei jedoch angemerkt. Der Film würde auch ohne diese Effekte funktionieren. Die Szenen passen gut in den Film und dienen nicht als Ersatz für die Geschichte.
Neben den schon erwähnten Effekten und dem gekonnten verwenden verschiedenster Kameras und verschiedenster Stilmitteln gibt es noch einige weitere positive Dinge die auf jeden Fall erwähnt werden sollten. Zum einen gibt es sehr tolle lustige Elemente. Romero spielt gekonnt mit der Thematik von laufenden Zombies. Dieses Thema wird am Anfang des Films kurz angesprochen und erlebt gegen Ende durch eine der lustigsten Szenen des Films eine Wiederbelebung. Auch der stumme Amishfarmer Samuel stellt ein Highlight dar. Er sorgt trotz seiner kurzen Nebenrolle für einige der besten Lacher. Apropos Nebenrolle. Auch George A. Romero selbst ist kurz als Polizist zu sehen.
Was man als Fan bei einem Film von Romero immer erwartet sind seine Seitenhiebe auf das Weltgeschehen. Es ist nicht zu übersehen das er es diesmal auf die Medienlandschaft abgesehen hat. Er beschäftigt sich mit dem Internet sowie den staatlichen und privaten TV und Radiomedien. Während im Internet Leute weltweit via `MySpace´, `YouTube´ und anderen Plattformen Videos online stellen und sich gegenseitig Tipps zum Überleben geben, werden offizielle Berichterstattungen zensiert oder zum Nutzen der Regierungen manipuliert und aus dem Zusammenhang gerissen neu geschnitten. Das solche Fehlinformationen nicht unbedingt dazu beitragen eine Krisensituation meistern zu können steht wohl außer Frage und ist wahrscheinlich auch einer der Gründe warum die Untoten überhaupt eine Möglichkeit haben die Erde zu erobern.
Zum Abschluss sei zu sagen dass nach dem studiodiktiertem "Land of the Dead" Romero endlich wieder die Möglichkeit hatte 100% unabhängig zu arbeiten, und das sieht man auch. `Artfire Films´ und `Voltage Pictures´ ist es zu verdanken das sie dem Regisseur ihr Vertrauen und 10 Millionen US-Dollar, und uns damit wieder einen tollen Zombiefilm gegeben haben. Es ist zu hoffen dass der Film bald auch einen Verleih für den deutschsprachigen Raum bekommt. Er schlägt so ziemlich jeden Horrorfilm der letzten Monate um Längen und hätte es sich verdient bei uns im Kino zu laufen.
Fazit:
George A. Romero ist zurück. Spannend, schockierend und erschreckend.
"Diary of the Dead" ist definitiv ein Muss für Horrorfans!
Bewertung:
9/10 (85%)
Kritik von SonOfTheDark (Movie-Infos):
Sonntag, 28.10.2007, 1 Uhr morgens. Eine unchristliche Zeit. Genau die richtige Zeit für einen Horrorfilm. Und ich hatte das große Vergnügen, im Rahmen der Viennale, George A. Romeros neuestes Machwerk Diary of the Dead zu sehen! Nach „Night of the Living Dead“, „Dawn of the Dead“, „Day of the Dead“ und „Land of the Dead“ ist dies nun bereits der fünfte Film in seiner legendären Zombie-Reihe.
Ein paar Studenten drehen in den Wäldern einen kleinen Horrorstreifen, als sich plötzlich die Nachricht verbreitet, dass sich die Toten überall auf der Welt als Zombies erheben und die Lebenden angreifen. Für die jungen Männer und Frauen beginnt der nackte Kampf ums Überleben, während einer von ihnen die schockierenden Ereignisse mit seiner Kamera ungeschminkt und unzensiert, im Gegensatz zu den Medien, für die Nachwelt aufzeichnet.
Die Hauptcharaktere sind alle sehr solide und werden von den eher unbekannten Schauspielern auch überzeugend dargestellt, vor allem für einen Independent-Horrorfilm. Hervorzuheben sind Michelle Morgan als eine Art Anführerin der Gruppe und gleichzeitig auch Erzählerin, sowie Scott Wentworth als besonnener und abgeklärter Filmprofessor. Amy Ciupak Lalonde bietet nicht nur einen netten optischen Aufputz, zwei ihrer Szenen sind fast schon satirisch und nehmen ein paar Horrorklischees auf die Schippe. Eines der Highlights bietet jedoch ein Kurzauftritt. Der stumme Farmer Samuel sorgt in nur wenigen Minuten für einige Lacher und es ist eigentlich nur schade, dass seine Rolle so klein ausgefallen ist. Etwas Einzigartiges ist, dass einer der männlichen Hauptfiguren, verkörpert von Joshua Close, die meiste Zeit eine Kamera in der Hand hält und für uns das Geschehen aufnimmt, wodurch er selbst nur ganz selten zu sehen ist.
Ein Vergleich mit “Blair Witch Project” in Sachen Kameraführung ist nur bedingt angebracht. Denn ein starkes Ruckeln oder ein überaus wackeliges Bild sucht man hier größtenteils vergebens. Zudem werden geschickt weitere Kameras, Internetübertragungen, Fernsehberichte und Aufnahmen von Überwachungskameras dazu verwendet, um auch immer wieder die Perspektive wechseln zu können. Langeweile kommt somit kaum auf, obwohl manche Stellen doch etwas schleppend vorübergehen. Durch den dokumentarischen Stil wirkt das Geschehen sehr realistisch und spannend. Sehr gute Arbeit des Kameramannes Adam Swica! Die Musik von Norman Orenstein ist nichts Besonderes, aber sie erfüllt ihren Zweck. Für das geringe Budget sehen die Untoten überzeugend aus, vor allem die Gewaltszenen kommen gut rüber.
Im Hintergrund bietet die Geschichte einen bissigen Gesellschaftskommentar, bei dem sich Romero an die Medienwelt richtet. Am Ende des Films wird dann noch eine interessante Frage aufgeworfen, welche hoffentlich auch in einer Fortsetzung beantwortet wird!
Fazit: Diary of the Dead ist ein witziger, brutaler Horrortrip, der mit einer interessanten Kameraführung und originellen Gewaltszenen aufwartet. Ein Muss für alle Fans von Romero und Zombiefilmen!
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